Der nächste Mauerfall
Wende zur Nachhaltigkeit
Von Christian Neugebauer
Eine Unruhe geht im Lande um. Bürger, die gestern die Mauer zu Fall gebracht haben, fragen sich, wo Wandel und Hoffnung heute in Europa liegen? Unternehmen, die sich im Sinne der Nachhaltigkeit neu aufstellen wollen, suchen neue Wertschöpfungsketten und Kapital. Wenn man über Medien und Nachhaltigkeit spricht, dann kann man die Frage, was dies meint, nicht mehr alleine aus dem Blickwinkel "Medium" beantworten. Es braucht einen größeren und strategischen Rahmen, um dies zu verorten.
 |
Foto: © Getty Images |
Es ist viel Kraft in den Lungen da, aber viel zu wenige Trompeten sind zur Hand, um die Mauer zu Fall zu bringen. Die gute Nachricht ist: Die Trompeten werden gerade geschmiedet. Die Kraft in den Lungen sagt: Nachhaltigkeit will der jeweils nachfolgenden Generation eine bessere Welt übergeben und die heutige nicht einfach verfrühstücken. So verstanden ist Nachhaltigkeit ein Innovations- und Modernisierungsparadigma mit den drei Säulen Ökonomie, Ökologie und soziale Verantwortung auf Grundlage der Menschenrechte. Viele Wege, Methoden und Ansätze stehen zur Auswahl, die wie Finger einer Hand werden zusammenwirken müssen: CSR, Cradle to Cradle, Sustainable Business, Social Business oder öko-soziale Wirtschaft; sie alle weisen in dieselbe Richtung: Nachhaltigkeit als Machen von Wandel und Hoffnung.
Pow-Wow Nachhaltigkeit
Die Führungsetagen aufgeklärter Konzerne haben die Notwendigkeit der Wende zur Nachhaltigkeit als die entscheidende Herausforderung begriffen. Es fehlen zwar hier und dort noch die richtigen Partner, Strategien und Projekte, aber hier wird sich der Nebel bald lichten.
Die Wende zur Nachhaltigkeit ist perspektivisch im Mainstream angekommen. Aber eben nur perspektivisch. So sicher wie ein Kind gehen lernt, so sicher wird die Nachhaltigkeit kommen. Aber Gehen ist nur durch mehrmaliges Fallen zu lernen. Die Frage ist, was braucht es jetzt, um die Wende zur Nachhaltigkeit zu realisieren, vom Fallen zügig in das Gehen und schließlich Sprinten zu kommen? Wo liegen die entscheidenden strategischen Felder?
Ohne Klein- und Mittelbetriebe wird man die Wende zur Nachhaltigkeit nicht realisieren können. Zahlreiche Betriebe des Mittelstandes sind zumindest nachhaltig orientiert, wenn auch das Machen noch etwas schwächelt. Sie werden aber meist alleine gelassen und wissen oft nicht voneinander. Ebenso der Bürger, denn ohne garantierte, einklagbare Menschenrechte, ermöglichte Eigenverantwortung und Souveränität wird man keinen mündigen Konsumenten erhoffen dürfen. Beide - Betriebe und Bürger - wollen und werden dies ändern, denn die Unruhe ist da. Was es braucht, sind viele Friedenspfeifen und Pow-Wows auf Augenhöhe.
Vier Trompeten
1. Gründung von mittelständischen Unternehmerverbänden der Innovation, der Nachhaltigkeit und des Social Business, die nicht ausschließlich Verbandsziele vor sich her tragen und Beratungsaufträge bekommen wollen, sondern Wertschöpfungsketten der Nachhaltigkeit schließen und bei der Kapitalbeschaffung unterstützen.
2. Es braucht Think-Tanks der Nachhaltigkeit mit einer kritischen Größe. Diese Größe wird am ehesten über Netzwerkstrukturen geschaffen und ist gerade aktuell unterwegs. Auch hier wird es Vielfalt geben müssen.
3. Schaffung von Medien der Nachhaltigkeit. Sie werden die Geschichte der Nachhaltigkeit neu und anders erzählen. Diese Medien werden auf innovativen Erlösmodellen basieren, anderen Journalismus betreiben und sich auf ihre eigentliche Geschäftsgrundlage besinnen: Aufklärung, Bildung und Wahrung der Menschenrechte. Geist ist geil, statt Quotenjagd, Gier und Geiz. Pionierhaft werden die Glocalist Medien damit ab November 2010 starten - sie blicken bereits auf eine rund siebenjährige Erfolgsgeschichte zurück.
4. Aufbau eines Finanzplatzes der Nachhaltigkeit für Europa in Berlin, um die Vorhaben und den Umbau zur Nachhaltigkeit mit entsprechenden Mitteln, Finanzinstrumenten, gesetzlichen Rahmenbedingungen und Know-how auszustatten. Es braucht ein Desertec für die Finanzbranche.
Die Kraft in den Lungen ist da, die Trompeten werden gerade geliefert, die nächste Mauer kann fallen.
Dr. Christian Neugebauer
Herausgeber der Glocalist Medien:
Medien für Nachhaltigkeit
lebt in Berlin.
www.glocalist.com
Lesen Sie diesen und weitere interessante Beiträge zum Thema in "forum Nachhaltig Wirtschaften", Ausgabe 3/2010: "Die Verantwortung der Medien"
mit dem Special "Fair Trade und ethischer Konsum".
Das Magazin umfasst 132 Seiten und ist zum Preis von 7,50 € erhältlich, zzgl. 3,00 € Porto & Versand (innerhalb Deutschlands).
Onlinebestellung
forum-Abonnement |