Quelle: Plattform Nachhaltig Wirtschaften Rubrik:  Publikationen Datum:  29.11.2006


 

Handyproduktion: Menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in asiatischen Werken

72 Stunden Wochenarbeitszeit und ungeschützter Umgang mit Giften

Das niederländische Zentrum für Studien über multinationale Unternehmen (SOMO) hat menschenunwürdige und akut gesundheitsgefährdende Arbeitsbedingungen in der Handy-Industrie aufgedeckt. Bei einer Überprüfung der fünf weltweit größten Hersteller Nokia, Motorola, Samsung, SonyEricsson, LG und deren Zulieferern wurden massive Verstöße gegen die jeweiligen Corporate Social Responsibility (CSR)-Richtlinien der Unternehmen festgestellt. Das geht aus einer Studie hervor, die SOMO am Freitag in Amsterdam vorstellen will.

Mitarbeiter der Nichtregierungsorganisation und regionale Partner führten Interviews mit 203 Arbeitern aus 13 Werken in China, Indien, Thailand und auf den Philippinen. Entgegen dem sauberen Image der Branche wurden vor allem bei den Zulieferern von Komponenten "entsetzliche Zustände" aufgedeckt, so die Verfasser. Bei der Hivac Startech Film Window weisen demnach zahlreiche Beschäftigte Vergiftungserscheinungen von ungeschützter Arbeit mit n-Hexan auf. Das Unternehmen fertigt Linsen für Motorola-Handys. Namiki Precision aus Thailand verabreichte Arbeitern, die Komponenten für Nokia-Handys löteten, lediglich Milch zur Reinigung des Körpers von Blei-Rückständen. Wer hingegen auf Schutzkleidung besteht, muss sich diese selbst kaufen.

Die Arbeitsverträge bieten den Beschäftigten kaum Rechte wie Kündigungsfristen oder Unfallversicherungen. Arbeitszeiten von bis zu 72 Stunden pro Woche werden gefordert. Löhne unterhalb des Existenzminimums waren ebenso feststellbar wie eine massive Unterdrückung gewerkschaftlicher Aktivitäten. Die indische Landestochter von LG lehnte es offen ab, mit Gewerkschaften oder anderen Vertretern der Belegschaft auch nur zu verhandeln. Beim thailändischen Produzenten Namiki ist es den Arbeitern verboten, sich zu versammeln, um "zu tratschen oder Reden zu halten, die die Reputation des Unternehmens zerstören". Gewerkschaftliche Organisationen sind auch bei den großen Handy-Konzernen kaum zu finden.

Laut SOMO ist es für die großen Handy-Hersteller schwer, die Situation positiv zu beeinflussen, selbst wenn es entsprechende Anstrengungen gäbe. Die Lieferketten sind äußerst komplex, hieß es. Selbst kleine Komponenten werden häufig in Zusammenarbeit von gut einem Dutzend Firmen produziert. Dadurch sei es kompliziert, den Überblick zu behalten. "Generell versagen die großen Markenunternehmen aber dabei, Verantwortung für die schlechten Bedingungen der Beschäftigten dort zu übernehmen", so die Autoren der Studie.

Quelle für den deutschen Text: de.internet.com
Link zu SOMO: www.somo.nl

Auf der Homepage von SOMO kann eine Vorschau des Berichtes als PDF-Datei heruntergeladen werden.

 



Artikel im Kontext ansehen