Frankfurter Rundschau: UN setzen auf die Macht der AktienprofisNachhaltiges Wirtschaften gewinnt bei Anlageentscheidungen an Gewicht / Ratingagenturen als HoffnungsträgerNoch stecken nur wenige Investoren wie Pensionsfonds ihr Geld bevorzugt in Aktien von Firmen, denen umweltbewusstes und sozial verantwortliches Wirtschaften attestiert wird. Der Chef des UN-Umweltprogramms (Unep), Klaus Töpfer, sieht darin dennoch einen entscheidenden Steuerungshebel.VON DETLEF FECHTNER Frankfurt a.M. · 13. April · Nachhaltiges Investment sei keine "Marotte" von Finanzanlegern in reichen Industrienationen, wehrt sich Töpfer gegen Stimmen, die das Thema klein zu reden versuchten. Zwar räumte der ehemalige Bundesumweltminister ein, dass bislang nur ein relativ geringer Teil der weltweiten Geldanlagen in Finanzprodukte wandert, die sich bei der Auswahl ihrer Wertpapiere an der Einhaltung von Umwelt- und Sozialkriterien orientieren. Dazu zählen etwa Anforderungen für den Arbeitsschutz und die Beschäftigungsverhältnisse bei Zulieferern, recyclingfähige Waren oder energieschonende Produktionsverfahren. Töpfer erkennt allerdings klare Signale dafür, dass nachhaltige Investmentkriterien schon bald erheblich an Bedeutung gewinnen werden. Der Unep-Chef verweist darauf, dass sich für den diesjährigen Investment-"Gipfel" in New York Pensionsfonds angemeldet haben, die mehr als zehn Billionen Dollar treuhänderisch verwalten. Nach Schätzungen des Sustainable Business Institute der European Business School in Oestrich-Winkel wurden in Europa zuletzt 500 Milliarden Euro in Finanzanlagen gesteckt, die nach Sozial- und Öko-Kriterien ausgesucht wurden. Ein dicker Batzen davon stammt aus einem norwegischen Geldtopf. Der Deutschland-Anteil beläuft sich hingegen nur auf bescheidene ein Prozent. Deutsche Investoren zurückhaltend Paschen von Flotow, Direktor der Rheingauer Forschungseinrichtung, rechnet vor, dass allerdings mehr als 70 Prozent des Einsatzes institutioneller Investoren quasi unbewusst in Wertpapiere fließe, die sich auch bei Orientierung an bedeutenden Nachhaltigkeits-Indizes (Dow Jones Sustainability, FTSE-4-Good) empfehlen würden. Wenn diese Kapitalgeber gegenüber den Unternehmen offensiver auf die Einhaltung von Standards pochten, würde der Druck auf die Unternehmen spürbar steigen, macht von Flotow das Potenzial deutlich. Töpfer berichtet, dass sich seine Organisation bereits in Gesprächen mit internationalen Ratingagenturen befinde. Dort wollen die UN-Umweltschützer erreichen, dass die einflussreichen Juroren, die die Bonität von Unternehmen beurteilen, verstärkt langfristige Risiken in ihre - überaus kursrelevante - Notengebung einbeziehen. Beispiele dafür, dass eine Unterschätzung von Umweltrisiken fatale Folgen für die Gewinn- und Verlustrechnung einzelner Firmen hatte, gebe es genug. Töpfer verweist etwa auf die finanziellen Einbußen, die Konzernen wegen des Einsatzes von Asbest entstanden sind. Internationale Brokerhäuser fordern Umwelt- und Sozialberichte Zudem präsentiert er eine von der Unep begleitete Studie internationaler Brokerhäuser. Darin werden ausdrücklich umfangreiche Sozial- und Umweltberichte gefordert. Die Analyse belege, dass nicht allein "Umweltaktivisten" ein bedeutendes Interesse daran haben, unternehmerische Tätigkeit anhand ökologischer Maßstäbe zu beurteilen. Frankfurter Banker berichten, dass auch hier zu Lande einige Verwalter großer Geldtöpfe dabei seien, langfristige Risiken in Zusammenhang mit Umwelt- und Sozialstandards zu begrenzen, indem sie ihre Anlagemanager auf Nachhaltigkeitskriterien verpflichten. Als Beispiele werden die großen Kirchen-Pensionsfonds genannt. Die Branche hofft nun darauf, dass öffentliche Pensionsfonds nachziehen - und damit entscheidende Impulse dafür liefern, dass nachhaltige Investments aus der Nische rücken und "in der ganzen Breite der Geldanlagen" berücksichtigt werden. Quelle: Mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Rundschau
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